galerieanna25

Zu Gast bei

project space KIMGO

John-Schehr-Straße 1
10407 Berlin-Prenzlauer Berg

Als einer der drei zentralen Künstler des Kooperationsprojekts Spektrum des Lebens bringt Thomas Nitz eine Perspektive ein, die die existenziellen Fixpunkte Geburt, Hochzeit und Tod radikal um die Ecke denkt. Seine fotografische Arbeit sucht nicht das Abbild des Ereignisses selbst, sondern spürt den Triebfedern und Grundbedürfnissen nach, die unser Dasein im Kern bestimmen.
In seiner Serie crossover widmet sich Nitz dem Urinstinkt: der Lust, der Nacktheit und der Körperlichkeit. Er markiert damit den absoluten Nullpunkt des Spektrums — das Verlangen, das jedem Leben vorausgeht. Bevor ein Mensch geboren wird, steht die Kraft des Begehrens, die hier in ihrer rohen, unverfälschten Form thematisiert wird.

Dieses Verlangen nach Leben und die notwendige Kraft zu dessen Erhalt führt Nitz in seiner Serie BRUT weiter. Hier rückt er das Essen in den Fokus, das als zentrales Element alle menschlichen Rituale begleitet — sei es das Festmahl einer Hochzeit, der Leichenschmaus bei einer Beerdigung oder die alltägliche Nahrungsaufnahme. Doch Nitz entzieht dem Sujet jegliche Gefälligkeit. Durch eine bewusst unappetitliche Darstellung gibt er dem Essen ein Gewicht zurück, das im Alltag oft hinter der reinen Funktion verschwindet. Er macht die physische Notwendigkeit und die materielle Schwere der Existenz spürbar.

Einen düsteren, aber unumgänglichen Teil des Lebensspektrums bildet die Serie screenshot. Hier thematisiert Nitz die Angst, die wie eine konstante Grundströmung über der modernen Gesellschaft liegt. Die Arbeiten basieren auf Aufnahmen aus Kriegsgebieten — eine visuelle Manifestation einer Bedrohung, der wir nicht entkommen können und die in jedem Moment mitschwingt.

Das Besondere an der Arbeitsweise von Thomas Nitz ist die physische Bearbeitung seines Mediums. Obwohl seine Werke auf analoger Fotografie basieren, nutzt er den Abzug wie eine Leinwand. Durch diesen manuellen, fast malerischen Prozess bricht er die reproduzierbare Natur der Fotografie auf. Jedes Werk wird so zu einem Unikat, das die Zerbrechlichkeit und Einzigartigkeit der Momente unterstreicht, die unser Leben zwischen dem ersten Verlangen und der letzten Angst definieren.