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Zeit ist bei Kejoo Park kein lineares Maß, sondern ein Resonanzraum. In der Ausstellung Echoes in Time 2 nähert sich die Künstlerin diesem Phänomen durch Installationen, Malereien und skulpturale Eingriffe, in denen sich Mensch, Natur und Technologie nicht als Gegensätze, sondern als untrennbar ineinander verwobene Prozesse begegnen. Material, Klang, Raum und Erinnerung überlagern sich zu vielschichtigen Schichtungen, in denen Vergangenes nachhallt und die Gegenwart körperlich erfahrbar wird.

Ausgehend von wegweisenden Werkzyklen wie Das Lied von der Erde, Das Erde-Projekt und Genius Loci begreift Park Landschaft als lebendigen Speicher kollektiver Erfahrung. Elemente wie Wasser, Linien, Dampf oder sedimentierte Oberflächen tragen Spuren von Zeit in sich – als Ablagerung, Verdichtung, Erosion oder Resonanz. Besonders die von ihr verwendeten Steine fungieren als sichtbare Zeugnisse geologischer Dauer und zugleich als fragile Träger individueller Erinnerung. In ihnen manifestiert sich Zeit in unterschiedlichen Aggregatzuständen: als Druck, als Spur, als Bruch und als Kontinuität. Für Park sind diese Steine stumme Chronisten, die den Nachweis der Zeit in vielfältigen Formen in sich tragen.

Die Inspiration für Parks Schaffen speist sich aus einem tiefen Dialog mit der europäischen Geistesgeschichte und ihren eigenen Wurzeln. In ihren Arbeiten schwingt der Geist der Romantik ebenso mit wie Einflüsse aus der Literatur und Musik, die sich mit dem Verhältnis von Natur und Zeit auseinandersetzen. Als Künstlerin koreanischer Herkunft prägt zudem ein spezifischer kultureller Blick ihre Wahrnehmung von Landschaft, Zyklus und Transzendenz. Zwischen diesen Perspektiven entsteht eine eigenständige, zeitgenössische Ästhetik, die naturbelassen wirkt und zugleich konsequent in die Abstraktion führt. Es ist eine Wahrnehmung der Natur, die nicht bloß abbildet, sondern die Welt auf eine neue, wesentliche Weise erfahrbar macht.

Der Ausstellungstitel Echoes in Time 2 verweist dabei auf ein doppeltes Zeitverständnis: auf Gleichzeitigkeit und Wiederholung, auf Echo und Widerhall. Parks Arbeiten erklären nicht; sie eröffnen Erfahrungsräume. Sie laden dazu ein, zu verweilen, zu hören und zu spüren, wie sich Zeit in Material einschreibt und wie Räume beginnen zu antworten. Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus verschiedenen Werkzyklen und verdichtet die Themen von Zeit, Erinnerung und der Verwobenheit unserer Welt zu begehbaren Echo-Räumen.

Ein Teil der Erlöse aus dieser Ausstellung wird an eine gemeinnützige Organisation gespendet.